Medizinisch geprüft
Fachlich geprüft von Jochen Wolf · Facharzt für Allgemeinmedizin
Letzte Prüfung: 12. April 2026
Omega-3-Index, was der Wert bedeutet und wie hoch er sein sollte
Der Omega-3-Index misst den Anteil der Fettsäuren EPA und DHA in den roten Blutkörperchen. Er gilt als einer der aussagekräftigsten Marker für kardiovaskuläres Risiko und Entzündungsstatus.
Das Wichtigste in Kürze
Der Omega-3-Index gibt den prozentualen Anteil von EPA und DHA an den Erythrozytenmembranen an. Werte über 8 % gelten als Zielbereich, unter 4 % als kritisch niedrig. Die Bestimmung ist nicht nüchternabhängig und spiegelt die Versorgung der letzten 3–4 Monate wider.
Was ist der Omega-3-Index?
Der Omega-3-Index gibt den prozentualen Anteil der langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) an den Gesamtfettsäuren in der Membran roter Blutkörperchen an. Da Erythrozyten eine Lebensdauer von etwa 120 Tagen haben, spiegelt der Index die durchschnittliche Omega-3-Versorgung der letzten 3–4 Monate wider, ähnlich wie der HbA1c die Langzeit-Blutzuckersituation abbildet.
Welche Werte sind anzustreben?
Ein Omega-3-Index unter 4 % gilt als kritisch niedrig und ist mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen, Herzrhythmusstörungen und vorzeitigen Herzinfarkt verbunden. Werte zwischen 4 und 8 % werden als verbesserungswürdig bewertet. Ein Wert über 8 % gilt als Zielbereich und ist mit einem günstigen kardiovaskulären Risikoprofil assoziiert. In deutschen Bevölkerungsstudien liegt der Median bei etwa 5–6 %, die meisten Menschen erreichen den Zielbereich also nicht. Der Omega-3-Index unterliegt keiner tageszeitlichen Schwankung und muss nicht nüchtern bestimmt werden.
Warum ist der Omega-3-Index klinisch relevant?
Die REDUCE-IT-Studie (2019) zeigte, dass hochdosiertes Icosapent-Ethyl (reine EPA) das kardiovaskuläre Risiko bei Hochrisikopatienten mit erhöhten Triglyzeriden senken kann. Die STRENGTH-Studie hingegen fand keinen Nutzen für ein EPA+DHA-Kombinationspräparat, der Effekt scheint substanz- und dosisspezifisch zu sein. EPA und DHA hemmen Entzündungsprozesse, verbessern die Erythrozytenmembranfluidität und senken Triglyzeride. Die European Society of Cardiology (ESC) empfiehlt eine ausreichende Omega-3-Zufuhr als Teil der Herzprävention. Hinweis: In einigen Studien wurde unter hochdosierter Omega-3-Supplementierung ein leicht erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern beobachtet, Patienten mit bekannter Rhythmusstörung sollten die Supplementierung ärztlich begleiten lassen.
Für wen ist die Bestimmung sinnvoll?
Die Omega-3-Index-Bestimmung empfiehlt sich für Personen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko (familiäre Herzerkrankung, erhöhte Triglyzeride, bekannte Arteriosklerose), bei Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern, hier ist auch die oben genannte Einschränkung bei Supplementierung zu beachten), in der Longevity-Diagnostik und bei Verdacht auf unzureichende Fischzufuhr oder veganer Ernährung ohne gezielte Supplementierung. Auch bei Schwangeren ist der Omega-3-Status klinisch relevant, DHA ist wesentlich für die Gehirnentwicklung des Kindes.
Was tun bei niedrigem Omega-3-Index?
Der Omega-3-Index lässt sich durch Ernährung und Supplementierung erhöhen. Fetter Seefisch (Hering, Makrele, Lachs) zwei- bis dreimal pro Woche liefert relevante Mengen EPA und DHA. Für Personen, die keinen Fisch essen, sind hochdosierte, qualitätsgesicherte Omega-3-Präparate eine wirksame Alternative. Algenöl ist eine vegane Quelle für DHA und EPA. Eine Kontrollmessung nach 3–4 Monaten zeigt, ob der angestrebte Zielwert erreicht wurde. Pflanzliche Omega-3-Quellen wie Leinsamenöl liefern ALA, diese wird im Körper nur in geringem Maß zu EPA und DHA umgewandelt und ist daher nicht gleichwertig.
Omega-3-Index bestimmen in Mainz
Der Omega-3-Index ist in unserer Praxis in der Schillerstraße in Mainz als Einzelleistung buchbar (52,46 €) und ist Bestandteil des Longevity Screenings (627,06 €). Die Blutentnahme kann zu jeder Tageszeit erfolgen, Nüchternheit ist nicht erforderlich. Bei auffälligem Ergebnis besprechen wir die Ernährungs- und Supplementierungsstrategie im Rahmen der ärztlichen Befundbesprechung. Terminanfrage über Doctolib. Weitere Einzelparameter und ihre Preise finden Sie unter Laborwerte.
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Quellen und Leitlinien
- [1] Bhatt DL et al.: Cardiovascular Risk Reduction with Icosapentaenoic Acid for Hypertriglyceridemia (REDUCE-IT). N Engl J Med. 2019;380(1):11–22.
- [2] Harris WS, von Schacky C: The Omega-3 Index: a new risk factor for death from coronary heart disease? Prev Med. 2004;39(1):212–20.
- [3] ESC/EAS Guidelines 2019: Management of dyslipidaemias. Eur Heart J. 2020;41(1):111–188.